Geschichte und Gegenwart

Das Gürzenich-Orchester Köln zählt heute im Konzert- wie im Opernbereich zu den führenden Orchestern Deutschlands. Als Ensemble der Oper Köln, wo es an bis zu 160 Vorstellungen im Jahr mitwirkt, trägt es maßgeblich zum Erfolg eines Hauses bei, dessen internationaler Rang sich seit Jahren in hochkarätigen Aufführungen manifestiert. Im Opernhaus am Offenbachplatz haben das Gürzenich-Orchester und die Oper Köln mit bedeutenden Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Werke von sich Reden gemacht, darunter Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann. Seit der Eröffnung 1986 ist das Gürzenich-Orchester eines der beiden Hausorchester der Kölner Philharmonie, wo es jede Saison in rund 50 Konzerten mehr als 100.000 Konzertbesucher empfängt.

Die Wurzeln des Gürzenich-Orchesters, dem heute knapp 130 Musiker angehören, reichen zurück bis zu den mittelalterlichen Ratsmusiken und den ersten festen Ensembles des Kölner Doms. In seiner langen Geschichte hat es stets die führenden Komponisten und Interpreten seiner Zeit angezogen. Von 2015 bis 2019 ist Philippe Manoury auf Einladung des Gürzenich-Orchesters »Komponist für Köln«. Gastspiele von Amsterdam über London bis Shanghai haben das Gürzenich-Orchester weltweit bekannt gemacht. Geprägt wurde das Gürzenich-Orchester seit 1986 durch seine Chefdirigenten Marek Janowski, James Conlon und Markus Stenz. Gegenwärtiger Chefdirigent mit dem Titel Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln ist seit der Spielzeit 2015/2016 François-Xavier Roth. Unter seiner Ägide hat das Gürzenich-Orchester sein Angebot für Kinder und Jugendliche wie auch für ältere Menschen erheblich ausgeweitet. Mit außergewöhnlichen Programmen erobert er dem Orchester neue Spielorte in der Stadt. Neu ist auch das Angebot »GO PLUS«, das hochwertige Live-Konzertaufnahmen in Bild und Ton über die Homepage kostenlos zugänglich macht. Für seine CD-Einspielungen erhielt das Orchester zahlreiche internationale Schallplattenpreise, u.a. für Einspielungen des russischen Repertoires mit seinem Ehrendirigenten Dmitrij Kitajenko und zuletzt für Arnold Schönbergs Gurre-Lieder mit dem ehemaligen Gürzenich-Kapellmeister Markus Stenz.

Als eines der beiden Hausorchester der Kölner Philharmonie ist das Gürzenich-Orchester Köln hier regelmäßig zu erleben.

Den alten »Wunderbau« im Namen

Als Ferdinand Hiller am 17. November 1857 den Auftakt zum ersten »Gürzenich-Konzert« gab, trat die Stadt Köln in eine neue Phase ihrer Entwicklung als Musikstadt ein. Mit dem Grundstückerwerb des Herrenbrauhauses und der Gründung einer Aktiengesellschaft hatten musikalisch engagierte Kölner Bürger bereits 1851 einen entscheidenden Schritt getan, um den betagten Festsaal auf dem Grundstück der Familie Gürzenich durch einen Anbau in einen modernen Konzertsaal zu verwandeln. Nach vierjähriger Bauzeit wurde schließlich das Casino, das für ein Vierteljahrhundert den Gesellschaftsconcerten einen Rahmen geboten hatte, durch den Gürzenich abgelöst und die Presse jubelte über den neuen »Wunderbau«: »Eines der großartigsten Bau-Denkmäler des Mittelalter [...] ist nun auch ein Denkmal unserer Zeit und ihrer Kunstmeisterschaft. [...] Von jetzt ab werden alle Concerte im Gürzenich-Saale Musikfesten gleichen.«

Eröffnet lange vor den berühmten Konzerthäusern wie die Zürcher Tonhalle (1867), der Wiener Musikvereinssaal (1870), das zweite Gewandhaus (1884) und der Amsterdamer Concertgebouw (1888) galt der Kölner Gürzenich für viele Jahre als einer der schönsten Konzertsäle in der ganzen Welt. Bedeutende Werke des romantischen Repertoires wie das Konzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms, Till Eulenspiegels lustige Streiche und Don Quixote von Richard Strauss sowie Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5 erlebten hier ihre Uraufführung. Auch nachdem das Cölner Theater- und Gürzenich-Orchester unter der Ägide des Hiller-Nachfolgers Franz Wüllner 1888 in städtische Trägerschäft überführt wurde, blieb es für die Kölner weiterhin das »Gürzenich-Orchester«, wenngleich die offizielle Namensgebung erst nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte. Spitzfindigen mag es vielleicht als ein Paradox erscheinen, dass auch am 14. September 1986, als mit der Eröffnung der Kölner Philharmonie wiederum ein neues Zeitalter für die Musikstadt Köln anbrach, das Gürzenich-Orchester aufspielte. Auf dem Programm standen damals Photoptosis von Bernd Alois Zimmermann und Schumanns »Rheinische«. Ein Bekenntnis zu Tradition und Moderne, wie es von Beginn an zum Wesen des Kölner Gürzenich-Orchesters gehört.

Patrick Hahn
Gürzenich-Orchester(c)Holger Talinski
Das Gürzenich-Orchester unter der Leitung von François-Xavier Roth ab der Spielzeit 2015/2016
Eröffnung Kölner Philharmonie(c)Klaus Barisch
Eröffnungskonzert der Kölner Philharmonie 1986
Gürzenich Köln(c)Stadtarchiv Köln
Konzert im Gürzenich 1924