Pressestimmen
„Mahlers Sinfonie Nr.5: Der Komponist hatte einen guten Instinkt, als er seine schwierige Fünfte den Kölner Philharmonikern widmete. Unter Markus Stenz haben die Musiker "ihre" Mahlersinfonie nicht nur auf Hochglanz poliert, sondern spielen sie auch so hingebungsvoll und lebendig, dass die prominente Konkurrenz von Berlin bis San Francisco daneben ganz schön alst aussieht." (Nennung als Platte des Jahres) RONDOplus 1/2010
„Dass Gustav Mahler selbst hohen Respekt vor diesem Werk bzw. dessen angemessener Deutung hatte, zeigt allein der Umstand, dass er bis kurz vor seinem Tode an dessen Revision arbeitete. Auch war er sich durchaus der Tatsache bewusst, dass diese 5. Symphonie nicht leicht zu interpretieren sein werde. Originalton Mahler: "Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie."
Das Gürzenich-Orchester wiederum spielte am 18. Oktober 1904 die Uraufführung und fühlt sich wohl auch deshalb dem Mahler'schen Oeuvre in besonderer Weise verpflichtet. Mit der vorliegenden Produktion eröffnet das Label Oehms Classics seinen Mahler-Zyklus mit Markus Stenz und dem Gürzenich-Orchester, in dem sämtliche Sinfonien neu eingespielt werden sollen. Und man darf sich schon jetzt auf die Fortsetzung freuen.
Denn was Stenz und seine Musiker hier vorlegen, kann mit Fug und Recht ein großer Wurf genannt werden - nicht nur, weil hier die Originaltempi aufs Genaueste beherzigt werden (siehe das "Adagietto"), sondern vor allem, weil Stenz den bei Mahler so immens schwierigen Spagat zwischen sinfonischer Monstrosität und intimster Rührung souverän meistert. Er besitzt ein Gespür für feinste Details und behält dabei doch den großen musikalischen Bogen stets im Blick.“ BR-Klassik, CD-Tipp, 26.10.09
„Es ist vielmehr ein neuer enthusiastischer Geist, den Stenz und seine Musiker entzünden und der sich mit Mahlers Geist kongenial trifft. Das Musizieren ist draufgängerisch, ohne die Balance zu verlieren. Die Wucht der Kanten vermählt sich mit der eleganten Süße. Die unvermeidliche "Tod in Venedig"-Assoziation schleicht sich aber gottlob nicht ein. Das Gürzenich-Orchester spielt wahrhaft weltstädtisch - mit großem, noblem, niemals wattiertem Ton und mit Biss zur rechten Zeit.“
Rheinische Post, 28.11.09
„Kölns Gürzenich-Orchester setzt derzeit zum Höhenflug an: Nachdem sie lange im Schatten der lokalen WDR-Konkurrenz stand, wollen die Musiker unter ihrem Chef Markus Stenz nun zeigen, dass sie zu den besten deutschen Sinfonieorchestern gehören. Dass die Kölner sich in diesem Kreis durchaus hören lassen können, bewies schon ihr sehr respektabler, gerade in einer Slim-Line-Box zweitveröffentlichter Schostakowitschzyklus unter Kitajenko. Die erste Folge ihres Mahlerzyklus zeigt jetzt allerdings, dass das Orchester unter Stenz noch einmal einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat. Die erste Folge mit der Fünften, die Mahler selbst 1904 mit den Gürzenich-Musikern uraufführte, verspricht jedenfalls Außerordentliches: Wann hätte je ein Dirigent soviel Lebens- und Spielfreude in diesem Stück entdeckt? Überraschend optimistisch, ja heiter ist der Grundton, der Stenz' Interpretation bestimmt. Schon im einleitenden Trauermarsch setzt Stenz nicht auf wuchtiges Pathos, sondern entwickelt vorantreibende Spannung aus dem Kontrast zwischen den retardierenden, unwiderstehlich tänzerisch phrasierten Streicherpassagen und den Marscheposiden, deren Trompetensignale er eher als Weckrufe versteht. Auch im Kopfsatz wird die von Mahler geforderte "größte Vehemenz" als Herausforderung begriffen, die eigenen Kräfte einmal zeigen zu können. Dabei gewinnt Stenz immer wieder Energie aus der dialogischen Verzahnung der Stimmen – der Kölner Mahlerklang ist überraschend durchhörbar (was gut zum spielerischen Geplänkel von Scherzo und Finale passt) und in den einzelnen Stimmen von einer erfrischenden Unverkrampftheit und Musikalität. Passagen wie die wunderbare Kantilene der Celli im Kopfsatz, die die Gürzenich-Musiker mit Tristan-gleichem Wehmutston spielen, sind hier keine Zusammenbrüche, sondern eher Augenblicke lyrischen Innehaltens, die dem Stück den nötigen Tiefgang sichern. Das Adagietto wird so zum schwärmerischen Liebesbrief (was es ja auch sein sollte), das Finale zum ausgelassen-karnevalesken Kehraus. So sonnig klang Mahler noch nie.“
Rondo, 30.10.09
