Seit fast zwei Jahrhunderten prägt das Gürzenich-Orchester als traditionsreiches Orchester den musikalischen Puls Kölns – auf der Konzertbühne, im Operngraben und mitten im gesellschaftlichen Leben der Stadt.
Mit seiner zweiten Saison als Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Gürzenich-Kapellmeister richtet Andrés Orozco-Estrada gemeinsam mit dem Orchester den Blick bewusst auf diese Tradition – und öffnet zugleich neue Perspektiven für die Zukunft. Im Zentrum der Spielzeit stehen Werke der Spätromantik, große Vokalwerke sowie programmatische Neuentdeckungen, die das historische Profil des Orchesters mit aktuellen künstlerischen Impulsen verbinden.
Gegründet auf Initiative der Kölner Bürgerschaft, die das Orchester bis heute als Concert-Gesellschaft unterstützt, versteht sich das Gürzenich-Orchester als Orchester der Stadt Köln für alle Kölnerinnen und Kölner. Diese enge Verbindung von musikalischer Exzellenz und den Menschen in Köln prägt auch die kommende Saison: In Kooperationen, partizipativen Projekten und neuen Begegnungsformaten wird das Orchester als lebendiger Bestandteil der Stadtgesellschaft erlebbar.
- Spätromantische Schlüsselwerke des sinfonischen Repertoires
- Erstaufführung der Orchesterfassung von Johannes Brahms’ Gesang aus Fingal
- Weiterführung der saisonübergreifenden Zyklen von Andrés Orozco-Estrada mit der 1. Sinfonie von Johannes Brahms und der 6. Sinfonie von Gustav Mahler
- Aufführung der Tanzpantomime Der wunderbare Mandarin von Béla Bartók anlässlich der Uraufführung durch das Gürzenich-Orchester vor 100 Jahren
- Neue moderierte Gesprächskonzertreihe mit Andrés Orozco-Estrada in Kooperation mit dem Deutschlandfunk
- Uraufführung eines neuen Werks von Matthias Pintscher
- Konzertante Aufführung der Urfassung von Alban Bergs Oper Lulu unter Sakari Oramo
- Sonderkonzert »Female Voices of Resilience« mit nach Europa emigrierten iranischen Sängerinnen
»Unsere gemeinsame Reise hat schon so spannend begonnen! Die große Flexibilität aller Musikerinnen und Musiker des Gürzenich-Orchesters ermöglicht ein enormes Repertoire. Dieses nun gemeinsam neu zu gestalten – ob vertraute Werke oder spannende Entdeckungen – wird auch in dieser Saison meine größte Freude sein. Köln hat mich als Stadt so offen aufgenommen, und ich freue mich sehr auf viele persönliche Begegnungen mit den Kölnerinnen und Kölnern. Es liegt mir besonders am Herzen, dass unsere Musik nicht nur im Konzertsaal erklingt, sondern die Menschen auch darüber hinaus erreicht.«
Die konsequente Öffnung in die Stadt, das ist der gemeinsame Wunsch von Andrés Orozco-Estrada und seinem Orchester, das er als Generalmusikdirektor und Gürzenich-Kapellmeister leitet. Mit dem Bürgerchor, einem Projektchor musikbegeisterter Kölnerinnen und Kölner, wird er die Konzertsaison eröffnen. Darüber hinaus leitet Andrés Orozco-Estrada zudem erstmalig das zweite partizipative Projektensemble des Gürzenich-Orchesters: das Bürgerorchester. Musikprojekte in Senioreneinrichtungen, Bürgerzentren und Kindergärten, ergänzt durch integrative Formate wie »Relaxed Performances«, stärken die Verbindung in die Stadt.
Kooperationen mit Kölner Institutionen wie der Kölner Dommusik, der Rheinischen Musikschule und der KölnMusik schaffen neue musikalische Begegnungen – etwa beim Projekt »Singen mit Klasse«, bei dem zwölf Kölner Grundschulklassen gemeinsam mit dem Gürzenich-Orchester in der Philharmonie ein Werk für Chor und Orchester uraufführen.
Auch außerhalb klassischer Konzertformate sucht das Orchester bewusst das persönliche Gespräch mit seinem Publikum. Die Reihe »Musikalischer Frühschoppen« im Belgischen Haus lädt dazu ein, bei Brezeln und Kölsch einen Blick hinter die Kulissen der Orchesterarbeit zu werfen und sich mit den Menschen im, vor und hinter dem Orchester auszutauschen. Und beim neuen Format »Komm mit! – Gemeinsam ins Konzert« bringt das Gürzenich-Orchester bei ausgewählten Montagskonzerten Besucher*innen ohne Begleitung miteinander zusammen.
Geplant sind außerdem ein Konzert in einer Justizvollzugsanstalt sowie ein Open-Air-Konzert für die Stadt.
Mit dem Projekt »Female Voices of Resilience« schlägt das Gürzenich-Orchester eine künstlerische Brücke zur iranischen Community der Stadt. Gemeinsam mit nach Europa emigrierten iranischen Sängerinnen entsteht ein vielschichtiges Musikprojekt über Exil, Identität und kulturellen Austausch – ein künstlerischer Dialog zwischen unterschiedlichen musikalischen und gesellschaftlichen Erfahrungswelten.
»Als Stadtorchester verstehen wir uns als Teil des kulturellen Lebens Kölns – nah an den Menschen und offen für neue Begegnungen. Neben unseren Konzerten in der Philharmonie und auf internationalen Bühnen sind gerade die musikalischen Begegnungen im Alltag der Stadt für uns von besonderer Bedeutung.«
Die Förderung junger Musikerinnen und Musiker bleibt ein zentrales Anliegen des Orchesters. Die eigene Orchesterakademie feiert in dieser Saison ihr zehnjähriges Bestehen – unter anderem mit der Uraufführung eines Auftragswerks von Oscar Jockel unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada.
Eine wichtige Rolle spielt die enge Vernetzung mit dem musikalischen Nachwuchs der Region. Die Kulturpartnerschaft zwischen dem Traditionskorps »Rote Funken«, der Rheinischen Musikschule und dem Gürzenich-Orchester ermöglicht jungen Musiker*innen regelmäßig große Auftrittsmöglichkeiten – etwa beim traditionellen Kooperationskonzert oder bei Matineen in der Kölner Flora.
Ein neuer Kompositionswettbewerb soll darüber hinaus nachhaltige Impulse für junge Komponist*innen setzen.
Auch die Kooperation mit der Kronberg Academy wird fortgeführt. Der Geiger Julian Rhee, der Bratschist Saò Soulez Larivère und die Cellistin Luka Coetzee geben in dieser Saison ihre Solodebüts beim Gürzenich-Orchester mit Andrés Orozco-Estrada als Dirigenten.
Darüber hinaus ist ein gemeinsames Projekt mit der Filarmónica Joven de Colombia in Köln geplant – einem von Andrés Orozco-Estrada geleiteten kolumbianischen Jugendorchester.
Inhaltlich knüpft das Gürzenich-Orchester mit Werken der Spätromantik und der Moderne an seine traditionsreiche Geschichte an. Andrés Orozco-Estrada setzt seinen über mehrere Spielzeiten hinweg geplanten Gustav-Mahler-Zyklus mit der 6. Sinfonie fort und vertieft damit den Schwerpunkt auf der Musik der Jahrhundertwende.
Als Hommage an die Geschichte des Orchesters erklingt die Urfassung von Béla Bartóks Tanzpantomime Der wunderbare Mandarin – ein Werk, das einst vom Gürzenich-Orchester uraufgeführt wurde.
Mit Matthias Pintschers Suite zu seiner Oper Das kalte Herz steht zudem eine bedeutende Uraufführung auf dem Programm.
Die erfolgreichen »offenen Proben« werden fortgesetzt und um eine neue Gesprächskonzertreihe erweitert: Unter dem Titel »Kurz und klassisch mit Andrés« führt der Chefdirigent persönlich durch halbstündige moderierte Konzerte, die in Kooperation mit dem Deutschlandfunk aufgezeichnet und ausgestrahlt werden.
Als Orchester der Oper Köln wird das Gürzenich-Orchester die Wiedereröffnung des Opernhauses am Offenbachplatz mit zahlreichen Vokalwerken feiern.
Bereits zur Saisoneröffnung erklingen Auszüge aus George Gershwins Porgy and Bess mit dem Kölner Bürgerchor und dem Ensemble »A Song for You«.
Der Wiener Singverein ist erstmals beim Gürzenich-Orchester zu Gast und wird mit Johannes Brahms’ Schicksalslied sowie Leonard Bernsteins Chichester Psalms zu erleben sein.
Ein besonderes Ereignis verspricht die Aufführung von Johannes Brahms’ Gesang aus Fingal: Der spektakuläre Fund der gestochenen und handschriftlichen Stimmen einschließlich der Partitur im Jahr 2023 im Archiv des Gürzenich-Orchesters wird erstmals im Sonderkonzert zum 40. Jubiläum der Kölner Philharmonie mit einem Projektchor des Netzwerk Kölner Chöre vorgestellt.
Sakari Oramo, Artistic Partner des Orchesters, dirigiert eine konzertante Aufführung von Alban Bergs Oper Lulu in der unvollendeten Urfassung. Susanna Mälkki leitet den »Ring ohne Worte«, Ton Koopman dirigiert Mozarts Requiem.
Zu den Debütanten der Saison zählen der Pianist Eric Lu, der Organist Cameron Carpenter sowie die Cellistinnen Anastasia Kobekina und Senja Rummukainen. Am Pult stehen erstmals Vilmantas Kaliūnas, Julie Røssland und Antonello Manacorda. Sebastian Kohlhepp wird als Parsifal sein Rollendebüt feiern.
Zugleich kehren zahlreiche künstlerische Weggefährten des Orchesters nach Köln zurück – darunter Frank Peter Zimmermann, Susanna Mälkki, Riccardo Minasi, Emmanuel Tjeknavorian, Michael Sanderling und Benjamin Grosvenor.
»Für alle« lautet der Name der Musikvermittlung des Gürzenich-Orchesters. Der Titel steht programmatisch für ein Angebot, das heute alle Generationen umfasst – von musikalischen Programmen für Kleinkinder bis hin zu Projekten für Seniorinnen und Senioren.
Bei den »Unterwegskonzerten« sind Ensembles des Orchesters in Kitas und Senioreneinrichtungen zu erleben. Familienkonzerte finden sowohl in der Philharmonie als auch in Bürgerzentren der Stadt statt – teilweise als Relaxed Performances mit integrativem Ansatz.
Die Konzertreihe »Bock auf Klassik – Klassik und Kölsch« für junge Erwachsene zum Einheitspreis von 8 Euro bei freier Sitzplatzwahl inklusive Freigetränk und After Hour wird auf drei Konzerte erweitert.
Partizipative Projekte wie der Kölner Bürgerchor und das Bürgerorchester ermöglichen Hobbymusiker*innen, gemeinsam mit Mitgliedern des Orchesters auf der Bühne der Philharmonie zu stehen.
Mit dem Jugendzentrum »Anyway« entsteht zudem eine neue Kooperation, die einen offenen kulturellen Raum für und mit queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen schafft.
Auch international wird das Gürzenich-Orchester in der kommenden Saison als Kulturbotschafter der Stadt Köln unterwegs sein. Geplant sind Konzertreisen nach Spanien, Belgien, in die Niederlande und nach Südamerika.
Die Saison 2026/27 verbindet künstlerische Höhepunkte mit einem klaren kulturpolitischen Anspruch: Das Gürzenich-Orchester versteht sich nicht nur als internationaler Klangkörper von Rang, sondern als lebendiger Bestandteil der Musikstadt Köln – traditionsbewusst, weltoffen und fest in der Stadtgesellschaft verankert.