Ringen und Vertrauen, Zweifel und Trost, aber auch Zuversicht verbinden die Werke dieses Konzerts.
Als Brahms im Sommer 1868 auf Friedrich Hölderlins »Hyperions Schicksalslied« stieß, ließen ihn die Verse nicht mehr los. Der Text stellt das selige Leben der Götter dem Los der Menschen gegenüber, die »blindlings von einer Stunde zur andern« stürzen. Brahms lässt jedoch im Gegensatz zu Hölderin mit der Wiederaufnahme des Eingangsmusik am Schluss einen Hoffnungsschimmer erahnen.
Leonard Bernsteins Chichester Psalms entstanden im Auftrag der Kathedrale von Chichester und erklangen zuerst in New York, dann in England. Der hebräisch gesungene Text, die Besetzung mit Harfen, Schlagzeug und Blech und die bewusst schlichte Tonsprache verleihen dem Werk einen archaischen Ton, wobei der Knabensolist, der im zweiten Satz den 23. Psalm singt, ihm eine besondere Zartheit gibt. Für diese Partie hatte Leonard Bernstein regelmässig Tölzer Knabensolisten für seine Aufführungen der Chichester Psalms engagiert.
Über ein Jahrzehnt rang Brahms mit seiner ersten Sinfonie, stets im Bewusstsein von Beethovens Schatten: »Du hast keine Ahnung, wie es unsereinem zumute ist, wenn er immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört.« Die Uraufführung 1876 in Karlsruhe bestätigte den hohen Anspruch, bald wurde von der »Zehnten« Beethovens gesprochen. Auf die dunkle, von Paukenschlägen getragene Introduktion folgt ein Finale, das mit einem weit ausschwingenden Hornthema den Weg vom c-Moll nach C-Dur öffnet. Dass dessen Hymne an Beethovens »Freude«-Melodie erinnert, quittierte Brahms mit trockenem Humor: Das merke jeder Esel.
Der Wiener Singverein wurde 1858 als Chor der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien gegründet und zählt zu den traditionsreichsten Konzertchören Europas. Johannes Brahms leitete ihn 1863/64 selbst als Chormeister und prägte damit die Geschichte des Ensembles nachhaltig. Bis heute musiziert der Chor regelmäßig mit den Wiener Philharmonikern und den großen internationalen Orchestern unter namhaften Dirigenten.
Zum Licht
So 11.10.26 11 Uhr
Mo 12.10.26 20 Uhr
Di 13.10.26 20 Uhr (auch im Live-Stream)
Kölner Philharmonie
Johannes Brahms
Schicksalslied
für Chor und Orchester op. 54, 1871
Langsam und sehnsuchtsvoll – Allegro – Adagio
Leonard Bernstein
Chichester Psalms für gemischten Chor, Knaben-Solo und Orchester, 1965
Maestoso, ma energico – Allegro
Psalm 108, Vers 2
Psalm 100
Andante con moto, ma tranquillo –
Allegro feroce – Meno come prima –
Allegro come prima
Psalm 23
Psalm 2, Vers 1–4
Sostenuto molto – Peacefully flowing –
Lento possibile
Psalm 131
Psalm 133, Vers 1
Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68, 1862–77
Un poco sostenuto – Allegro
Andante sostenuto
Un poco Allegretto e grazioso
Adagio – Allegro non troppo, ma con brio
Solist des Tölzer Knabenchores
Wiener Singverein
Chor-Soli:
Nutsa Tsimakuridze, Sopran
Fiorentina Harasko, Alt
Wolfgang Adler, Tenor
Julian Katerl, Bass
Johannes Prinz, Choreinstudierung
Andrés Orozco-Estrada, Dirigent
Let's GO – Die Konzerteinführung zum Mitnehmen
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Weitere Informationen und Karten unter
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