Abokonzert 3

ABENTEUER

Di 08.11.2022
20:00 Uhr
Kölner Philharmonie

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Felix Mendelssohn Bartholdy

Violinkonzert e-Moll op. 64 (1844)

Richard Wagner / Henk de Vlieger

Der Ring. Ein orchestrales Abenteuer (1848-74/1991)

Einführung eine Stunde vor dem Konzert mit Michael Kube

Der ehemalige Gürzenich-Kapellmeister Markus Stenz dirigiert Richard Wagners »Ring des Nibelungen« - in einer Fassung für den Konzertsaal, deren Kürze sogar noch Platz lässt im Programm für Mendelssohns Violinkonzert mit Alina Ibragimova

25 Jahre lang hat Richard Wagner an seinem »Ring des Nibelungen« gearbeitet, und in dieser Zeit wuchs das Musiktheater zum Monumentalwerk heran. Verteilt auf vier Abende, erzählt es von Liebe und Verrat, Gier und Verblendung. Mehr als 30 Figuren treten auf, viele davon miteinander verwandt. Entsprechend komplex gestaltet sich die Handlung, und dann ist da noch die erstaunliche Länge von 17 Stunden. Doch Einsteiger müssen nicht verzweifeln, ihnen wird der Zugang zur mythischen Welt der Götter, Helden, Riesen und Zwerge nun leichtgemacht – mit einer Fassung, die Wagners Musik in 70 Minuten auf den Punkt bringt. Markus Stenz zieht mit dem Gürzenich-Orchester das Publikum in dieses »Orchestrale Abenteuer« hinein, wie der niederländische Schlagzeuger Henk de Vlieger sein Arrangement genannt hat.

Ein solches Mammut-Epos aufs Miniatur-Format einzudampfen – ist das nun frech, verrückt oder genial? »Es ist alles drei und noch viel mehr«, sagt Markus Stenz. »Das Orchester erzählt die Emotionen von Wagners ›Ring‹, es gibt den Worten Tiefe. Den ›Ring‹ als ein Abenteuer der Gefühle zu fassen, ist in dieser Zusammenstellung hervorragend gelungen.« Instrumentale Umarbeitungen der Tetralogie gibt es diverse, »doch das Besondere an der Version de Vliegers ist, dass die Abfolge des szenischen Geschehens gewahrt bleibt. Das heißt, Wagner-Kenner können ihren inneren idealen Film sehen, während die Musik die Schlüsselstationen heraufbeschwört«, so Stenz, der den ganzen »Ring« in seiner Zeit als Generalmusikdirektor in Köln an der Oper dirigiert hat; in einer Inszenierung von Robert Carsen, die Maßstäbe setzte.

Ob Öko-, Endzeit-, Familien- oder Psychodrama – wie jedes große Kunstwerk bietet der »Ring« viele Deutungen an und damit die Möglichkeit, beim Zuhören eigene Bilder vorbeiziehen zu lassen. Das gelingt dank dezenter Eingriffe und Überleitungen, die das Werk als sinfonisches Ganzes wirken lassen. Vom klangmalerischen Gewoge des Rheins über das Schmiedehämmern in Nibelheim und dem Feuerzauber bis zum Weltuntergang zieht sich ein einziger großer Spannungsbogen. „Ich setze dieses Abenteuer häufig auf meine Programme, und ich erlebe immer wieder, dass sich das Magnetische, das Unbedingte, das Soghafte von Wagners ›Ring‹ mitteilt“, sagt Stenz, der natürlich auch einkalkuliert, dass Neugierige auf den Geschmack kommen werden.

Als Kontrastprogramm lässt der Dirigent das Violinkonzert in e-moll von Mendelssohn-Bartholdy vorausgehen. Solistin ist die fabelhafte Geigerin Alina Ibragimova, die das Publikum in der Philharmonie immer wieder mit ihrem strahlenden, eleganten Ton bezaubert hat. Obwohl aus derselben Epoche, sei das Mendelssohn-Konzert als pure Musik der Anti-Wagner, meint Stenz, der seiner Vorfreude Ausdruck gibt: »Sind wir nicht unendlich reich, dass wir in einem Konzert beides erleben können – die Schönheit und Tiefe des Mendelssohn-Konzerts und die XXL-Emotionen des Ring-Abenteuers?«
Annette Schroeder

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