Abo 11

Sinfoniekonzert 11

So 16.06.2019
11:00 Uhr
Kölner Philharmonie

Jean-Frédéric Neuburger

»Faits et gestes« Uraufführung

Robert Schumann

Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54 (1841-45)

Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 »Frühlingssinfonie« (1841)

»Ich schrieb die Sinfonie, wenn ich sagen darf, in jenem Frühlingsdrang, der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinreißt und in jedem Jahr von neuem überfällt«, schwärmt Robert Schumann über den Schaffensrausch, in dem er seine erste Sinfonie in nur vier Tagen im Januar 1841 zu Papier brachte. Sehnsucht nach dem Frühling durchdringt das Werk, das Hörner und Trompeten eröffnen. Eine ähnliche Leichtigkeit verspricht das Auftragswerk des jungen Franzosen Jean-Frédéric Neuburger. Ein »Capriccio« habe er im Sinn, einen ebenso mutwilligen wie lustvollen Verstoß gegen Regeln und Normen. Es steht mit seinem überschäumenden Charakter im Gegensatz zu Robert Schumanns kontemplativem Klavierkonzert in a-Moll, in dem Jean-Frédéric Neuburger auch als Pianist zu erleben ist. Als Schumanns junge Gattin Clara Schumann den späteren Kopfsatz zum ersten Mal spielte, war sie begeistert: »Das Clavier ist auf das feinste mit dem Orchester verwebt – man kann sich das Eine nicht denken ohne das Andere«. Auch die im Hauptthema versteckte Liebesbotschaft – die vier Tonbuchstaben ihres ins Italienische übersetzten Vornamens »C h ( i ) a ( r ) a« – wird die Virtuosin entschlüsselt haben.

Schumann und Köln

Eine freundliche Beziehung

In der Spielzeit 2018/19 widmet François-Xavier Roth Robert Schumann einen Schwerpunkt. Martin Geck zeichnet Verbindungslinien nach zwischen Schumann und Köln und führt in den einzigartigen Kosmos seiner Musik ein.

Von Heidelberg aus unternimmt der 20-jährige Jurastudent Robert Schumann allerlei Reisen in die nähere und weitere Umgebung. Am 25. September 1830 betritt er um 6 Uhr früh in Mainz den Rheindampfer, der ihn nach Köln bringen soll. »Tolles Leben auf dem Dampfboot« notiert er in seinem Tagebuch. Und weiter: »Ankunft in Cöln – furchtbares Gedränge u. Unordnung – amüsant und lustig – Gasthof zum Rheinsberg – die groben Markörs  (Kellner) – Table d’hôte – der Engländer und englische Uebungen – die liebe schüchterne Deutsche neben mir – der beleuchtete Rhein – trübe Nacht – Schönes Zimmer nach der Reingegend – prächtiger Schlaf – den Plan, einen Tag in Cöln zu bleiben wegen eintretenkönnenden Geldverlegenheiten aufgegeben.« Fast auf den Tag genau 20 Jahre später fährt er von seinem neuen Wirkungsort Düsseldorf aus mit der Eisenbahn nach Köln und hält nunmehr im Tagebuch fest: »Der Dom. – Tolles Gesindel. – Bellevue – Rubens Geburtshaus – St. Peter= Kirche. Um 7 Uhr zurück.« Die Gattin Clara äußert sich ausführlicher: »Sonntag den 29. fuhren wir zu unserer Zerstreuung nach Köln, das uns gleich beim ersten Anblick von Deutz aus entzückte, vor allem aber der Anblick des grandiosen Domes, der auch bei näherer Betrachtung unsere Erwartungen übertraf.«

Mit und ohne Robert in Köln

Hat Schumann bei dieser Gelegenheit die Anregungen für den vierten Satz seiner »Rheinischen Sinfonie« erhalten, der die Bezeichnung »feierlich« trägt und bei der Uraufführung mit den Worten beschrieben war: »Im Charakter der Begleitung einer feierlichen Ceremonie«? Die frühe Biografik wollte sogar wissen, der Komponist habe sich von einer Kardinalserhebung im Kölner Dom anregen lassen. Ob dies im Detail stimmt oder nicht: Gewiss enthält die »Rheinische Sinfonie« narrative Momente, die schon in einer Besprechung der Uraufführung deutlich hervorgehoben wurden. Dort ist von einem Werk die Rede, das »ein Stück rheinisches Leben in frischer Heiterkeit« entrolle, im zweiten Satz »an schöne Wasserfahrten zwischen rebengrünen Hügeln und freundliche Winzerfeste« denken lasse, während der »Tondichter« im dritten Satz sein Haupt »sinnend in’s alte Burgfenster lehne«, bevor ihn im Finale »feine Waldhornklänge« in die Gegenwart zurückrufen. Ohne ihren in der Heilanstalt Endenich weilenden Gatten besucht Clara Schumann die Stadt Köln in Begleitung von Johannes Brahms am 24. März 1855 anlässlich einer Aufführung von Beethovens »Missa solemnis« durch die dortige »Concert-Gesellschaft« – den unmittelbaren Vorläufern der ab 1857 stattfindenden Gürzenich-Concerte. Die Beziehung zwischen Robert Schumann, Clara Schumann und Johannes Brahms hat immer wieder Spekulationen über eine »Dreiecksgeschichte« genährt, die keineswegs so pikant gewesen sein muss, wie sie in der Schumann-Literatur gern dargestellt wird: Mangels aussagekräftiger Quellen ist weiterhin größte Dezenz angesagt. Indessen ist unbestritten, dass der junge Johannes Brahms in Clara Schumann verliebt war und dass diese sich diese Liebe gern gefallen ließ und zumindest in schicklichem Rahmen erwiderte. Wer wollte das einer Frau verübeln, die für sechs Kinder zu sorgen hatte und auf die Zuwendung ihres Gatten weitgehend verzichten musste? Ohne sich für diese biographischen Details zu interessieren, erarbeitet der italienische Komponist Stefano Gervasoni eine »komponierte Interpretation« von Liedern und Duetten Robert Schumanns, die um das Thema »Liebesverrat« kreist und im zweiten Sinfoniekonzert den Schumann-Schwerpunkt einläutet. Man darf Gervasonis Komposition auch als eine Hommage à Heinrich Heine deuten, der die Verse für Schumanns »Dichterliebe« op. 48 lieferte. Diesem Liederzyklus sind denn auch vier der zwölf Liedvorlagen entnommen. Textlich handle es sich um eine »Dreiecksgeschichte« zwischen einem älteren Mann, einer jüngeren Frau und einem noch jüngeren Mann. Indem man Heine ins Spiel bringt, der sich ja auf diversen Liebeskummer und –verrat bestens verstand, entgeht man dem Zwang, die Textfolge vordergründig biographisch zu deuten.

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