Abokonzert 4

Wille

So 13.12.2020
11:00 Uhr
Kölner Philharmonie

Johann Sebastian Bach

»Ich habe genug« BWV 82 (1727) Kantate für Bass, Oboe, Streicher und Basso continuo

verschränkt mit

Luciano Berio

Folk Songs für Mezzosopran und Orchester (1964/73)

Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 2 D-Dur (1802)

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Zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein können und doch im Kern ihres Wesens unlösbar miteinander verbunden sind, bringt dieses Konzert unter der Leitung der amerikanischen Dirigentin Karina Canellakis zusammen.

Eine der schönsten Solokantaten von Johann Sebastian Bach, die in ihrer musikalischen Tiefe seinen großen Passionen ebenbürtig ist, stellt die Worte des greisen Propheten Simeon aus dem Lukas-Evangelium in den Mittelpunkt. Simeon hat die Ankunft des Welterlösers vorhergesehen. Bei der Darstellung des neugeborenen Jesus im Tempel erkennt der alte Mann in dem Kind den zukünftigen Heiland. Simeons lebenslanges Hoffen und sein Vertrauen erfüllen sich in jenem Augenblick, in dem der Prophet das Kind in seine Arme nimmt. Getrost kann er nun sein irdisches Leben hinter sich lassen. In Bachs Kantate »Ich habe genug« leiht der Bassbariton Gábor Bretz – er ist erstmals beim Gürzenich-Orchester zu Gast – dem biblischen Simeon seine Stimme.

Bei Bach also die Liebe zu Gott, die Hoffnung auf Erfüllung, bei Luciano Berio und seinen Folk Songs die Welt menschlicher Liebe mit ihren glückseligen und leidvollen Facetten, die ebenfalls nach Erfüllung strebt: Berio hat Volkslieder aus unterschiedlichen Ländern zusammengetragen und sie flirrend und höchst atmosphärisch instrumentiert. Wie ein Maler lässt er die Texte aus verschiedenen Jahrhunderten wie kostbare, farbintensive Stilleben aufleuchten. Rinat Shaham gibt mit den Folk Songs von Luciano Berio ihr Debüt beim Gürzenich-Orchester. Bach und Berio: So verschieden – und in diesen Werken einander doch so nah. Das unterstreicht in der Kölner Aufführung zusätzlich die spannende dramaturgische Verschränkung beider Werke ineinander, bei der die Arien der Bach-Kantate jeweils im Wechsel mit Folk Songs zu hören sind.

Im Gegensatz zur fast schon transzendenten Abgeklärtheit von Bachs Simeon ist Beethoven in seiner 2. Sinfonie von der Kraft unbedingten Lebenswillens erfüllt: Zu ihrer Entstehungszeit musste sich der Komponist der Tatsache stellen, dass er sein Gehör unwiederbringlich verlieren würde. »Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen. Ganz niederbeugen soll es mich gewiss nicht!«, schrieb er während der Arbeit an einen Freund. Umso erstaunlicher, mit wieviel Leichtigkeit und Witz dieser Geniestreich daherkommt. Harmonische Finesse und überraschende Pointen zeichnen die Zweite aus. Bewundernd urteilte die Presse nach der Uraufführung: »Sie ist ein merkwürdiges, kolossales Werk von einer Tiefe, Kraft und Kunstgelehrsamkeit, wie sehr wenige!«

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