Cologne's Citizens Orchestra

What is the Citizens’ Orchestra?

After several lockdowns, the time had finally come: On 19 September 2021, the Cologne Citizens Orchestra conquered the stage of the Cologne Philharmonic Hall and was celebrated with standing ovations! 

At this concert, five orchestras played at once: due to the distance regulations, our musicians were divided into two string orchestras and three wind formations. Works by Pietro Mascagni, Carl Nielsen and Gustav Holst, among others, were played, from the sublime »Finlandia« by Jean Sibelius to Béla Bartók's »Romanian Folk Dances«.

To play in an orchestra – for many citizens of Cologne, this wish comes true for the first time in the Cologne Citizens’ Orchestra, which François-Xavier Roth initiated during the 2019/20 season. The initiative is dear to his heart, but also to the musicians of his orchestra. More than 40 of them work with the participants, supporting them as they learn the works and the orchestra as it prepares for its concerts at Cologne’s Philharmonie. To play side by side with the professionals is highly motivating and lots of fun. After all, there is not only much to learn in the rehearsals with François-Xavier Roth – there is also lots of laughter! The musical level of the participants differs greatly. To Harry Ogg, who leads the rehearsals as musical assistant to François-Xavier Roth, that is not a problem: »There are people who only started playing their instrument five years ago, and there are others who have played in other orchestras. But that is precisely what we like about it! In this way, our orchestra reflects the many facets of a living community.« Parts that are too hard are simplified. And the more experienced members help those who are less experienced. The group’s philosophy is: there is no competition.

What happens now?

Citizen's Orchestra

For the new season, François-Xavier Roth invites once more to join him and his orchestra. Last year's registrations will automatically be taken into this season - participants will be drawn by lot and written to in autumn, and rehearsals will begin in January. The next concert will take place on 19 June 2022. 

If you have any specific questions about the progress of the project, please contact us directly.

Clara Friedrichs
Project Manager
+49 221 221 28595
spielmituns@guerzenich-orchester.de

Vom Glück des Miteinanders

Ulrike Schäfer (Solocellistin des Gürzenich-Orchesters und Coach im Bürgerorchester) im Gespräch mit Mareike Bruns (Viola) und Gerfried Heldt (Flöte).

Ulrike Schäfer:
Wie kam es denn zu eurem Entschluss, im Kölner Bürgerorchester mitzuspielen?

Mareike Bruns:
Ich habe über einen Bekannten von diesem Projekt gehört. Eigentlich war die Anmeldefrist schon abgelaufen, aber ich hatte Glück! Wahrscheinlich auch deswegen, weil es nun mal nicht so viele Bratschen gibt ...

Gerfried Heldt:
Immer, wenn ich am Künstlereingang der Philharmonie vorbeigegangen bin, habe ich zu meiner Frau gesagt: »Du, hier möchte ich auch einmal reingehen und auf dieser Bühne spielen!« Dann las ich das Angebot mit dem Bürgerorchester in der Tagespresse. Ich habe mich sofort beworben! Naja, und dann auch noch mit François-Xavier Roth ... ich habe ihn natürlich vorher schon live erlebt, wir sind Abonnenten beim Gürzenich-Orchester.

Ulrike Schäfer:
Habt ihr denn ein Probespiel machen müssen?

Mareike Bruns:
Nein, jeder darf kommen. Das ist ja auch Bestandteil dieses Projekts.

Ulrike Schäfer:
Was hattet ihr für Erwartungen?

Gerfried Heldt:
Dass wir wunderschöne Musik machen. Und dass man in Kooperation mit den Profis seine Spielfähigkeit erweitern kann.

Mareike Bruns:
Genau! Das holt ja für uns Laien nochmal was ganz anderes aus der Musik heraus. Das finde ich unglaublich bereichernd. Gleichzeitig finde ich es auch total spannend, die Profis auch mal im direkten Kontakt zu erleben, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ulrike Schäfer:
Gab es da Berührungsängste?

Gerfried Heldt:
Ich hatte schon die Sorge, was wohl passiert, wenn man bei einem Profi mal was Falsches spielt ... kann ich mithalten? Bin ich gut genug?

Ulrike Schäfer:
Und dann?

Gerfried Heldt:
Es war schon in der ersten Probe mit Harry Ogg klar: Wir sind hier willkommen! Du darfst Fehler machen. Und dann erst François-Xavier: Er hat uns so gepusht! Das war für mich insgesamt ein Schlüsselerlebnis: Wenn Du etwas falsch machst, ist das nicht schlimm, sondern Du wirst ermutigt, es richtig zu machen. Danach lief es fast automatisch viel besser. 

Ulrike Schäfer:
Und wie war das mit den Coaches für euch? Ich meine, wenn Fehler gemacht wurden?

Mareike Bruns:
Ich sag mal sozusagen in Anführungsstrichen: »Fehler waren willkommen«. Man konnte gemeinsam daran arbeiten. Da waren dann Tipps dabei, auf die ich einfach alleine nie kommen würde, die es einem wirklich leichter gemacht haben. Es war eine total wohlwollende Atmosphäre. Das hat einfach von vornherein gepasst.

Ulrike Schäfer:
Ja, für uns ist dieses Projekt auch eine Freude!

Gerfried Heldt:
Wir Flöten haben mit Christiane Menke gearbeitet, das war wunderbar, sie ist eine tolle Flötistin und eine ganz ganz liebe Frau. Sie hat sich tierisch Mühe gegeben und sogar Noten umgeschrieben für die Leute, die das eben technisch noch nicht so auf die Reihe kriegten, damit es ein bisschen einfacher wurde. Fand ich genial!

Ulrike Schäfer:
Man muss realistische Lösungen finden, die Freude machen. Es geht hier nicht darum, eine CD vorzubereiten, sondern darum, gemeinsam etwas zu erleben.

Mareike Bruns:
Und zwischen den Teilnehmern ist es auch ins Rollen gekommen. Am Anfang kannte man sich ja noch nicht so, aber jetzt, gerade weil ja durch Corona zwischen dem Beginn des Projekts und unserem Konzert so viel Zeit vergangen ist, hat man sich so gefreut, sich wiederzusehen. Es hat einen irgendwie zusammengebracht. Ich fände es wunderbar, wenn das Bürgerorchester in die nächste Runde geht, wenn ich die Leute dann auch wiedersehen kann.

Gerfried Heldt:
Am Anfang war das natürlich auch ein gegenseitiges Abtasten. Man weiß nicht, was die anderen für ein Niveau haben, wo man selbst steht. Aber dann sieht man: Ah ja, der Ton vom Nachbarn ist auch nicht besser als deiner. Bei uns Bläsern ist das immer so eine Sache, vom Ansatz her.

Mareike Bruns:
Ja, unser Coach hat in der letzten Probe zu uns gesagt, wir hätten jetzt als Gruppe einen total schönen, gemeinsamen Bratschensound entwickelt. War auch mein Empfinden, aber ich fand‘s toll, dass er das ausdrücklich betont hat.

Ulrike Schäfer:
Ich kann das heute von den zwei Celloproben ebenfalls sagen: Das klingt richtig gut, es macht wirklich Spaß.

Mareike Bruns:
Die Registerproben mit den Coaches – ich finde das ein sehr gutes Konzept! Auch dann in den Tuttiproben, wenn nochmals ein Coach in der Nähe sitzt, den man dann etwas fragen kann. Super!

Ulrike Schäfer:
Gab es denn für euch auch instrumentale Grenzerfahrungen? Vielleicht bei dem Stück von Borodin?

Gerfried Heldt:
Ja, Borodin war die Grenze.

Mareike Bruns:
Ich fand, der ging fast noch. Vom Tempo her hatte ich Schwierigkeiten mit dem Elgar. Auch von der Rhythmik her, das war grenzwertig.

Gerfried Heldt:
Ich hab da wirklich zu Hause gesessen und Borodin mit dem Metronom geübt: noch einen Zacken mehr und noch einen und noch einen. Aber dann bin ich doch immer wieder rausgeflogen, das war echt heftig.

Ulrike Schäfer:
Habt ihr denn irgendwelche Wunschstücke, von denen ihr sagen würdet: »Oh, das würde ich gern mal spielen?«

Gerfried Heldt:
Ich kann Schwierigkeiten von Stücken ganz schlecht abschätzen. Persönlich würde ich unheimlich gern mal Dvořáks 9. Sinfonie spielen, aber ob ich das kann, weiß ich nicht.

Ulrike Schäfer:
Also, eine ganze Sinfonie dürfte grenzwertig sein. Ich denke außerdem, so ein Bürgerorchester-Programm sollte immer doch ein bisschen wie ein Blumenstrauß sein. Das wäre meine Herzenssache: dass es nicht nur ein Stück gibt, sondern dass das Programm bunt und abwechslungsreich ist. Wobei es durchaus auch einzelne Sätze von Sinfonien sein könnten.

Mareike Bruns:
Das Programm soll ja auch nicht zuletzt ein Publikum ansprechen. Nicht nur uns, die wir mitspielen, sondern auch diejenigen, die im Konzert sitzen und sich das anhören. Für mich war es richtig schön, dass dieses Mal Stücke dabei waren, die ich noch nicht kannte. Das Intermezzo von Nielsen beispielsweise. Das hätte ich sonst wahrscheinlich nie kennengelernt. Ich mag es, wenn einfach mal was Unbekanntes kommt.

Gerfried Heldt:
Mich würde tatsächlich mal interessieren, wessen Idee das Ganze eigentlich war.

Ulrike Schäfer:
François-Xavier Roths. Weil es für ihn einfach sehr wichtig ist, Kultur wirklich in der Stadt zu verankern und Kontakt zu den Menschen zu haben.

Gerfried Heldt:
Wie war das denn dann für euch Profis? Wirkte das für euch übergestülpt? Oder stieß es auf offene Ohren?

Ulrike Schäfer:
Ich denke, dass ein ganz großer Teil von uns offene Ohren hatte. Alle diejenigen, die sich für dieses Projekt engagieren, stehen auch voll dahinter, ganz klar.

Mareike Bruns:
Diesen Eindruck hat man auch! Wart ihr denn zufrieden mit uns Laien?

Ulrike Schäfer:
Ich habe ja nicht bei allen Gruppen zugehört und kann nur wiedergeben, was ich als Feedback bekomme. Und das war gut! Für mich persönlich war das Ganze sehr beglückend. Das muss ich einfach sagen. Es hat Spaß gemacht, es klang schön. Wirklich!

Gerfried Heldt:
Das ist gut und für mich auch ein Stück beruhigend. Wenn ich das Gefühl hätte, ja, die Profis kommen und machen das hier als Pflichtprogramm und denken in Wirklichkeit: Jut, wenn et bald vorbei is. Wenn du aber jetzt sagst: »Ne, es hat auch uns gefallen«, dann macht mir das auch nochmal mehr Freude. Auch die Begleitung durch Clara Friedrichs von »Ohrenauf!« war genial! Einfach unheimlich gut!

Ulrike Schäfer:
Weil sie auch von ihrer Persönlichkeit her so einen Draht zu den anderen hat. Da müssen wir ihr wirklich alle ein riesiges Kompliment machen.

Gerfried Heldt:
Sie ist so persönlich, so verbindlich. Einfach toll.

Mareike Bruns:
Das war nicht zuletzt auch einer der wichtigsten Faktoren, dass man sich hier so wohlgefühlt hat.

Ulrike Schäfer:
Positive Vibrations!

Gerfried Heldt:
Ich denke übrigens, dass Leute, die auch privat Musik machen, ein anderer Menschenschlag sind.

Mareike Bruns:
Solch ein Miteinander ist einfach eine unglaubliche Bereicherung!

Ulrike Schäfer:
Das verbreitet Licht, nicht wahr? Genau das ist doch wahnsinnig wichtig in der Welt, gerade zurzeit. Und schon allein deswegen freue ich mich schon auf die nächste Runde mit dem Bürgerorchester. Wir müssen auch unter widrigen Umständen präsent bleiben: für uns, für die Bürger, für die Stadt. Ich bin total gespannt auf die Fortsetzung!

»Music is for everyone«

An Interview with conductor Harry Ogg

200 citizens of Cologne play side by side with the musicians of the Gürzenich Orchestra. Their common goal: playing a concert with François-Xavier Roth at Cologne’s Philharmonie! Harry Ogg leads the pilot project and offers insights into the fascinating rehearsal process.

In January 2020 you launched Cologne’s Citizens’ Orchestra by leading its first rehearsal. What characterizes the orchestra?
Our premise was that everyone can join in, and we do not reject anyone. Of course we were intrigued to see what would happen. The orchestra consists of more than 200 people: we have a 82-year-old triangle player, and the youngest participant is only 16.

How different are the levels of experience the players bring to the project?
There are people who only started playing their instrument five years ago, and there are others who have played in other orchestras. Of course this means that the levels of accomplishment are very different. But that is precisely what we like about it! In this way, our orchestra reflects the many facets of a living community.

How do you deal with this in practical terms?
We simplify individual parts for some. But we encourage other participants to practice and believe that they will get there. For each person, we definitely find a solution. Our philosophy is: there is no competition in our Citizens’ Orchestra. We want everyone to have a good time. The experienced members help the less experienced ones.

What were your criteria when selecting the programme?
It should be ambitious, but doable within the time we have. But most of all, it should be fun, that is the most important thing!

In your hometown of London, you founded an ensemble of your own while still a student, an ensemble which has made a name for itself. Which challenges do you face when conducting the Citizens’ Orchestra?
I have worked a lot with amateur orchestras, and I know the great improvement we can achieve between the first rehearsal and the concert. This is going to be a wonderful experience for all who join in. We will work on rhythm, sound, and phrasing, on ensemble playing and on listening to one another. Every time, it is fascinating to see how much we can improve. Usually, I am the only one responsible for this. But in this special case, we also have 20 additional musicians from the Gürzenich Orchestra acting as coaches.

What motivates them?
Well, it is always a joy to pass on your own knowledge. Many of our musicians are professors at music academies or instrumental teachers. The Citizens’ Orchestra gives them an opportunity to pass on their skills and knowledge. The special feature is that here they cannot choose whom to work with. However, they are very adaptable and open to other people. Another aspect is that the members of the Citizens’ Orchestra are not there to make money with their music, but only to enjoy what they are doing. And that, of course, is transmitted back to us professional musicians. Playing with amateur musicians is a special joy! It is great to share this enthusiasm, both in rehearsal and in concert.

Ultimately, François-Xavier Roth takes over the rehearsals and conducts the concert …
It’s going to be a ball. He has an energy that is transmitted to anyone in his vicinity. And he has a humanity that is infectious. This is something you also notice at the Gürzenich Orchestra, incidentally: as soon as François-Xavier is on the podium, the orchestra sounds different. It is fascinating to observe this. Many members of the Citizens’ Orchestra are longing for this experience of making music with him. And now they will have that opportunity.

What was the decisive impulse that led François-Xavier Roth to found the Citizens’ Orchestra?
François-Xavier considers community projects with amateur musicians or people who have never made music particularly important. Music is for everyone! With projects such as the Citizens’ Orchestra, he manages to convey music beyond the confines of the concert hall. It is a major part of his philosophy. Furthermore, he wanted to establish a more personal connection with tour audience. There are a lot of our subscribers among the musicians of the Citizens’ Orchestra. We are all looking forward to seeing how the orchestra will develop further, what the future will bring … for of course, François-Xavier has a lot of other fascinating ideas as well!

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